Freitag, 20. Oktober 2017

Poesie am Freitag


Der rauhe Ost, der früh nach Rom mich jagte,
Wurd dort zum Zephyr hyacinthner Lüste.
Und keiner, der nur immer Mädchen küßte,
Rühm seinen Schwanz, daß er im Himmel ragte.

Auch mich erregten noch die herben Brüste,
Kampan'scher Mädchen, doch wie oft verzagte
Mein Meerschaum an dem fremden Golf und klagte,
Daß ohne recht Verständnis dieser Küste.

Wie anders schmiegte sich der Arsch des Knaben
Dem Schwanz in liebend rundlichem Gehaben!
Kein Weib mir so behende mit der Zunge,

Die Eichel mir geleckt wie dieser Junge.
O könnt ich doch an deinem Marmorhintern,
Mein Knabe, viele Monde überwintern!

Friedrich Schlegel (um 1800)

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Zweifel?


Doubt thou the stars are fire
Doubt that the sun doth move
Doubt truth to be a liar
But never doubt i love

William Shakespeare - Hamlet

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Hallo, ich heiße...

"Hallo, ich heiße Poesie, bin 51 Jahre alt und habe ein Emotionsproblem."
"Hallo Poesie", hallt es aus dem Stuhlkreis zurück und ich wickele mir eine Haarsträhne um den Finger. Als ich an der gedrehten Spitze nuckele, schmecke ich Wodka. Scharf und brennend und eiskalt. Ich nuckele weiter, während langsam ein Stimmengemurmel aus dem Kreis anschwillt. Ich drehe mich wie in Zeitlupe von links nach rechts und betrachte jeden Einzelnen von ihnen. Manche erkenne ich wieder, einige schauen zu Boden, sobald sich unsere Blicke treffen, einer trägt eine Taucherbrille, eine Andere hält ein Foto von mir vor ihr Gesicht. Es sind hauptsächlich Männer...die wenigen Frauen sind sehr jung und sehr schön.
Ich trinke weiter aus meiner Haarsträhne und spüre, wie ich von innen ganz kalt werde. Am liebsten würde ich durch den Kreis hindurch gehen...dahinten ist ein winzige Tür. Aber ich klebe am Boden fest. Stühle fallen um, sie lachen laut und heulen komisch wie Tiere, während sie auf mich zu kommen. Die Gesichter verschwinden, es wird nebelig und der Wind fährt mir auf einmal durch die Haare, zieht mich hoch bis in einen großen Baum. Ganz oben im Baum hängt eine Gartenbank aus Holz zwischen den Ästen, wie eine Schaukel und ich lege mich auf sie, rolle mich ein und versuche aufzuwachen...

Manchmal klappt das. Dann kann ich bestimmen, wann ich aufwache. Fühlt sich auf jeden Fall so an. Ob das wirklich geht? Keine Ahnung.

"Du kannst alles sein, was Du willst!" 
Als ich gestern diese Worte gelesen habe, da...ich kann es gar nicht beschreiben...da war auf einmal ein Gleichklang in mir. Unruhe und Friede, Lust und Leere, Angst und Mut, Lachen und Weinen....das war auf einmal alles gut so, wie es ist.
Ich habe selten eine so schöne Nachricht bekommen.



Freitag, 29. September 2017

Poesie zum Wochenende


Lass uns leben, lass uns lieben,
Holdes Mädchen, nimmermehr
Soll uns graue Weisheit trüben
Solcher Wonnen strahlend Meer!

Sonnen kommen, Sonnen schwinden,
Doch wenn uns`re Leuchte sinkt,
Wird die Nacht uns schlafend finden,
Der kein neuer Morgen winkt.

Drum jetzt hunderttausend Küsse,
Hunderttausend noch einmal,
Und so fort, dass Keines wisse
Ihrer vollen Summe Zahl.

Mag der Neider dann ergründen,
Was an Küssen wir getauscht:
Niemals wird er alle finden,
Deren Feuer uns berauscht.

Ernst Anton Zündt (1819 - 1897)